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Papst will Todesstrafe offiziell verurteilen

Papst Franziskus hat sich für eine offizielle Verurteilung der Todesstrafe in der katholischen Lehre ausgesprochen. Die Kirche müsse Positionen aufgeben, die einem neuen Verständnis des christlichen Glaubens widersprächen. Dies müsse auch im Katechismus konsequenter Ausdruck finden, sagte er laut Redeskript vor Kurienvertretern in Rom. Die Todesstrafe stehe im Widerspruch zum Evangelium; in den Augen Gottes sei jedes Leben heilig. Zugleich bedauerte der Papst, auch der Kirchenstaat habe früher aus Sorge "um Macht und Reichtümer" Menschen hingerichtet.

Franziskus äußerte sich anlässlich der Veröffentlichung des Katechismus der katholischen Kirche vor 25 Jahren. Dieses Werk legt die katholischen Glaubenslehre in verbindlicher Form in einzelnen Artikeln dar. Unter Nummer 2266 heißt es, die "überlieferte Lehre der Kirche" erkenne das Recht und die Pflicht der staatlichen Gewalt an, angemessene Strafen zu verhängen, "ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen".

Der Papst nannte Todesurteile jetzt hingegen eine "unmenschliche Maßnahme, die, gleich wie sie ausgeübt wird, die Menschenwürde erniedrigt". Dies gelte es, "nachdrücklich" zu erklären. Er verwies auf eine Lehrentwicklung unter seinen Vorgängern im Papstamt, aber auch auf ein verändertes Bewusstsein unter Christen. Über das Leben eines Menschen könne im Letzten nur Gott richten. Keine noch so schwere Straftat rechtfertige eine Hinrichtung, weil diese die Unverletzlichkeit und Würde der Person angreife, sagte Franziskus. Jedem Verurteilten müsse die "Möglichkeit eines moralischen und existenziellen Loskaufs" bleiben, wenn er sich zugunsten der Gesellschaft bessere.

Auch der Kirchenstaat habe früher das "extreme und unmenschliche Mittel" der Todesstrafe angewandt, beklagte Franziskus. "Wir übernehmen die Verantwortung für die Geschichte, und wir erkennen an, dass diese Mittel mehr von einer legalistischen als einer christlichen Denkweise bestimmt waren." Wenn die Kirche heute in dieser Frage neutral bleibe, werde sie "noch schuldiger", so der Papst.

KNA

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