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Katholische Kirche trommelt für ein Atomwaffenverbot

Eine internationale Abrüstungskonferenz am Freitag im Vatikan hat mit Appellen zur Unterstützung eines UN-Atomwaffenverbotsvertrages begonnen. Wie schwierig und auch kontrovers das Anliegen ist, kam erst im weiteren Verlauf zur Sprache. "Es scheint unrealistisch, in diesen Zeiten von nuklearer Abrüstung zu sprechen", sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin als einer der ersten Redner. Gleichwohl müsse umso hartnäckiger für das Atomwaffenverbot gearbeitet werden, betonten er wie auch Kardinal Peter Turkson, dessen Entwicklungsbehörde die bis Samstag dauernde Konferenz organisierte.

Papst Franziskus spitzte die Position der katholischen Kirche bei einem Empfang am Mittag noch einmal zu: "Wenn man allein an die Gefahr einer versehentlichen Explosion als Folge irgendeines Fehlers oder Missverständnisses denkt, sind die Drohung mit Atomwaffen wie schon ihr Besitz mit Nachdruck zu verurteilen."

Der jüngste UN-Atomwaffenverbotsvertrag, dem 122 Staaten am 7. Juli in New York zustimmten, habe eine wichtige rechtliche Lücke geschlossen, so der Papst. Demnach wären Nuklearwaffen ebenso illegal wie Streubomben, Landminen oder B- und C-Waffen. Der Papst dankte der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), die sich für das Verbot einsetzte und dafür den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält.

Eine mehrfach geäußerte Warnung in der Synodenaula des Vatikan bezog sich auf die derzeit vorherrschende internationale Rhetorik. "Die Lage ist ernst, wenn Staatsführer über Nukleararsenale sprechen, wie Kinder über ihre Spielzeugwaffen", warnte Muhammad Yunus, bengalischer Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger von 2006.

Etliche Redner wiesen auf die immensen Schäden hin, die Nuklearwaffen schon jetzt anrichteten, weil sie Ressourcen für friedliche Entwicklungen vernichteten. Turkson zitierte den früheren US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower (1890-1969): Jedes Gewehr, jedes Kriegsschiff, jede Rakete, die gebaut oder gekauft würden, seien ein Diebstahl an denen, die hungerten und nichts anzuziehen hätten. Allein die USA müssten für Erhalt und Modernisierung ihres Atomwaffenarsenals in den kommenden 30 Jahren rund 1,3 Billionen Dollar ausgeben, so ein Konferenzteilnehmer am Nachmittag.

Die stellvertretende Nato-Generalsekretärin Rose Gottemoeller bestritt die Zahl nicht grundsätzlich. Unmittelbar von einer Nato-Tagung kommend erläuterte sie, warum fast sämtliche Mitgliedsstaaten gegen das UN-Atomwaffenverbot gestimmt hätten. Nicht immer aus grundsätzlichen, sondern aus strategischen und diplomatischen Gründen.

Über die Reihenfolge einzelner Maßnahmen könne man unterschiedlicher Meinung sein, sagte Österreichs ständiger UN-Vertreter Thomas Hajnoczi. Er hatte maßgeblich am Zustandekommen des jüngsten Abkommens mitgearbeitet. Gleichwohl sei das Verbot jetzt da und wichtig, um einen weltweiten Mentalitätswandel herbeizuführen, wie dies auch bei C-Waffen gelungen sei.

KNA

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